Wie in einem Schildkrötenpanzer, konnte ich  hinter Theaterrollen wunderbar meine Persönlichkeit verstecken.


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Antonia

41 Jahre // OP: 2017

Hi, mein Name ist Antonia,

ich bin 41 und habe 2017 die Lymphologische Liposkulptur bei Lipödem durchführen lassen, zu der ich mich ein Jahr zuvor nach der Diagnose entschieden hatte – also genug Zeit, darüber nachzudenken, mich vorzubereiten und mir Gedanken über das „Leben danach“ zu machen. Hätte ich allerdings auch nur ansatzweise geahnt, welche Tragweite das für mich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch und von meiner ganzen Persönlichkeit her haben würde, wäre ich vor Angst wahrscheinlich weggelaufen und hätte jeden, der mir das prophezeit hätte, für verrückt erklärt. Heute bin ich zutiefst dankbar über die Chance dieses „Zweiten Lebens“ wie ich es für mich nenne, die OPs haben mir nicht mehr und nicht weniger ermöglicht als der gesunde Mensch zu werden, der ich im Innersten immer war und sein wollte und die Reise geht noch immer weiter..

 


,,Endlich frei! Die Operation war die beste Entscheidung für meine Gesundheit!”


Als Kind und Jugendliche war ich begeisterte Sportlerin und hatte großen Spaß an Bewegung, doch das änderte sich gewaltig, als ich in die Pubertät kam. Wie so viele andere Patientinnen erlebte ich seitdem Jahre der Scham, zunehmende Schmerzen, Demütigungen und einen immer weiter degenerierenden Körper, egal was man versucht, dagegen zu tun.

 

Heute ist das Lipödem, obwohl es schon lange bekannt ist, immer noch ein umkämpftes Thema, aber damals war es noch nicht einmal das. Ich hatte keine Ahnung, was los war, wusste nur, dass etwas nicht stimmte, aber keiner konnte mir Rat geben geschweige denn mir helfen, auch und gerade nicht im Sport, wo Trainer etc. ja die Gliedmaßen sehen und darum wissen müssten. Stattdessen wurde ich immer mehr abgestempelt und als faul, gefräßig und wehleidig bezeichnet, bis ich mich, weil ich physisch wie psychisch nicht mehr konnte, nach und nach von allem zurückzog. Ich gab auf, obwohl meine innere Stimme mir etwas anderes sagte, aber der Druck wurde einfach zu groß. So begann ich, mich in mein vermeintliches Schicksal zu fügen, hörte auf zu suchen, nahm an, dass ich eben selbst das Problem bin wie alle sagten, verlor jedes Selbstwertgefühl und begann, mich dafür zu hassen und zu verstecken.

 

In meinem späteren Beruf als Opern- und Konzertsängerin fiel mir das jahrelang ziemlich leicht, denn die Figur war dort (noch) kein Thema und hinter Theaterrollen kann man seine eigene Persönlichkeit wunderbar verstecken und sich anderweitig ausleben – und niemand bemerkt, was WIRKLICH in einem vorgeht. Aber irgendwann wurden die körperlichen Probleme so stark, dass ich nicht mehr weglaufen konnte. Nach einer Not-OP an der Gallenblase beschleunigte sich der Lipödem-Fortschritt rapide, breitete sich auch auf die Arme aus und begann, mein Lymphsystem lahmzulegen. Noch mehr Scherzen, Körperumfang und Atemnot waren die Folge und ich bekam auch im Beruf zunehmend Probleme. Der vorläufige Höhepunkt war ein stationärer Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik wegen Burnout/Depressionen, mehrere Jahre Therapie und zunehmende Reduktion von Auftritten, aber das Problem bestand weiter.

 


,,Nach der OP eröffnete sich mir ein neuer Kosmos! Jetzt bin ich leidenschaftliche Sportlerin und Läuferin.”



Zu dieser Zeit lernte ich meinen heutigen Ehemann kennen und lieben, ohne den ich das wahrscheinlich nicht überstanden hätte. Eines Tages waren wir in einem Buchladen in Salzburg und mir fiel beim Stöbern das Buch „Dicke Beine trotz Diät“ in die Hände. Schon der Rückseitentext verursachte bei mir Unwohlsein, aber ich wusste irgendwie, dass ich das lesen sollte, also bat ich meinen Mann, mir das zu Weihnachten zu schenken, denn ich selbst hätte es nicht geschafft, es mir zu kaufen. Es dauerte einen weiteren Monat nach Weihnachten, bis ich mich endlich traute, das Buch zu lesen – und ab da war es um mich geschehen. Ich erfuhr erstmals etwas über Lipödem, fand mich total wieder und habe mich kurz darauf bei einem Lymphologen untersuchen lassen – mit entsprechendem Ergebnis.

 

Die Last, die da von mir abfiel, kann sich nur jemand vorstellen, der das selbst erlebt hat. Das Gefühl, das etwas mit meiner Gesundheit nicht stimmte war von Anfang an richtig, mein Instinkt war wahr, egal was alle Leute mein Leben lang zu mir gesagt hatten! Zum 1. Mal in meinem Leben bekam ich recht und die Bestätigung für meine Gefühle! Die Entscheidung für die OPs war schnell getroffen, denn mir war klar, dass ich lange genug gelitten hatte und das wollte ich nicht mehr. Auf einem LYMPHA-Kongress informierte ich mich ausgiebig und machte dann Termine. Die Wartezeit erschien zwar vermeintlich lang, aber ich begriff das als Chance, mich auch seelisch auf das Leben danach vorzubereiten und ich kann im Nachhinein sagen, dass das goldrichtig so war. In dieser Zeit schwor ich mir, diese „Zweite Chance“ zu nutzen und endlich ein Leben zu leben, was mir und meinem Wesen entspricht, natürlich ohne Schmerzen und Beschwerden, aber auch ohne Verstecken, ohne Vorspielen – einfach Ich selbst sein.

 

Nach den OPs bestätigten sich alle meine Hoffnungen, ich war endlich schmerzfrei und konnte wieder atmen und mich bewegen – und genau das kostete ich in der Folge aus und tue es bis heute. Deshalb verging der Heilungsprozess wie im Flug, mein Körper machte ungeahnte Fortschritte und ich entwickelte eine Freude an immer mehr Bewegung, wie ich sie seit meiner Kindheit nicht mehr gekannt hatte, nun mit der Energie eines Erwachsenen. Diese Kombination zusammen mit einem gesunden Lebensstil brachte mich auf meinen heutigen Lebensweg. Meinen Beruf, so schön und notwendig er damals war, habe ich aufgegeben, weil mir das Schauspielen einfach nicht mehr entspricht. Ich möchte „Ich selbst“ sein und bin sozusagen zu meiner 1. Liebe, dem Sport, zurückgekehrt.

 

Die Berge meiner Heimat, die ich vorher nur von fern wahrnahm, sind nun mein Zuhause und meine Spielwiese, sei es Bergwandern, oder Mountainbiken. Nicht ganz drei Jahre ist die letzte OP nun her und von den ersten Gehversuchen über Nordic Walking, Bergwandern, Laufen bis zum Marathon, Trailrunning und Triathlon bis zur Mitteldistanz bin ich nun in meiner neuen Heimat, dem Triathlon auf der Ironman-Distanz angekommen und werde im Juli 2020 erstmals bei der Challenge Roth, dem größten Langdistanz-Triathlon der Welt, an der deutschen Meisterschaft teilnehmen. Seelisch habe ich noch eine Menge zu verarbeiten, denn so viele Jahre psychische Verletzungen gehen nicht spurlos an einem vorbei, aber ich bin nun fähig, mich damit auseinanderzusetzen, weiter zu heilen und auch damit ein gesundes Leben zu führen.

 

To be continued... :)

 


Coming soon:



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